Der Weg des friedfertigen Kriegers

Der friedfertige Krieger geht einen Weg, auf dem er nicht allein auf den äußeren Angreifer trifft. Vielmehr geht er den Weg, um seinem inneren Feind zu begegnen  und diesen zu besiegen. Einfacher gesagt geht es darum, sich körperlich wie mental positiv zu entwickeln und zu wachsen. Dieser philosophische Unterbau des Shaolin Kung Fu kommt aus dem Chan Buddhismus.

Aufgabe auf dem Weg ist, sich intensiv mit seinem eigenen schädlichen Denken und seinen schädigenden Emotionen auseinanderzusetzen. Das Ziel: Gewalt in jeder Form vermeiden. Die Shaolin Mönche entschieden sich vor mehr als 1500 Jahren dafür, diesen Weg des Kriegers zu gehen. Sie beeinflussten ihr Denken über den Körper, um so erleuchtet zu werden. Weil sie sich ihrer negativen Gefühle wie Angst, Wut oder Frustration während des Trainings immer wieder bewusst wurden, ersannen sie körperliche Übungen, um diese Gefühle zu kontrollieren.

Mentale Tiefe ist das stabile Fundament

Ein Schüler, der Kung Fu lernt und den Weg des friedfertigen Kriegers beschreitet, gleicht einem Baum. Ein Baum mit mächtigem Stamm, in der Krone reich verzweigt und mit kräftigen Ästen majestätisch in die Höhe gewachsen. Doch um in die Höhe zu wachsen, muss er ebenso tief verwurzeln und ein stabiles Fundament bilden. Die körperlichen Fähigkeiten des Schülers gleichen dem sichtbaren Teil des Baumes. Körperlich ist der Schüler jedoch nur so stabil – und kann sich damit gegenüber den äußeren Widrigkeiten nur so weit behaupten – wie er ein tiefes Wurzelwerk ausbildet. Dieses Wurzelwerk entspricht der mentalen Reife.

Der friedfertige Krieger trainiert einerseits  körperlich, andererseits reflektiert er permanent die eigenen Gedanken und Emotionen, um schädliche, unheilsame Wirkungen zu eliminieren. Beides zusammen, gleichwertig, führt ihn auf seinem Weg zum Ziel. Sollte er jedoch eines von beiden bevorzugen, wird er auf seinem Weg straucheln. Denn beide Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden.

Der Weg ist das Ziel

Kung Fu entsteht im Herzen, wie es im chinesischen heißt. Das bedeutet auch, dass man mit dem eigenen Ego kämpft und Konflikte vermeidet. Sind Konflikte unvermeidbar, läuft man weder davor weg, sondern trägt sie aus. Noch zielt man darauf ab, den Konfliktgegner zu vernichten. Es gilt, den Konsens zu suchen. Daher attackiert man während eines Konflikts den Angreifer nur so weit, bis die Situation unter Kontrolle ist.

Der friedfertige Krieger ist sich bewusst, dass all sein Tun Konsequenzen hat – also auch seine Worte und Gedanken – und sich auf sein Leben auswirkt. Er strebt daher stets nach Harmonie mit seiner Umwelt. Dabei weiß er, dass er nicht frei von Fehlern ist oder perfekt und dass dies bedingt, ständig an sich zu arbeiten. Diesen Kampf gegen die eigenen Fehler muss jeder kämpfen, der den Weg des friedfertigen Kriegers beschreiten will.

Fazit

Für sein Leben ist jeder selbst verantwortlich. Wer Verantwortung abschiebt,  begibt sich in die Opferrolle. Opfer sein, heißt machtlos sein. Wer keine Macht hat, kann und braucht nichts tun, so der unterbewusste Gedanke. Darin liegt die Schwierigkeit, den Weg des friedfertigen Kriegers bis zum Ende zu gehen. Viele wollen von ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten nichts wissen und keine Verantwortung für sich übernehmen. Dies zeigt sich meiner Meinung nach auch in der Renaissance der Religionen, in denen man die Verantwortung für sein Leben abwälzen kann auf einen imaginären Heilsbringer wie Gott, Allah, Jahwe oder von mir aus auch auf Zeus oder Jupiter.

Wem es jedoch gelingt, bewusst zu leben und für das eigene Leben, also für die eigenen Gedanken, Worte und Taten, die Verantwortung zu übernehmen, verlässt die Opferrolle. Letztlich ist es die vollständige Konzentration auf das Hier und Jetzt.

Das ist der Weg des friedfertigen Kriegers.

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