Yi Jin Jing – Übungen Teil 4

Qi Gung hat sehr viele Wirkungen auf unsere physische und psychische Gesundheit. Ein Ziel unter dem man alle anderen subsummieren könnte, ist die Entspannung (Fongsung), sowohl die körperliche als auch die mentale. Aus der Entspannung entsteht die Gesundheit, da sich Verkrampfungen und Blockaden lösen. Auf der Ebene des Geistes zu entspannen hilft, negative und krankmachende Denkmuster aufzulösen. Dies ist es, was mit Loslassen beschrieben wird.

Um Entspannung und die damit verbundenen positiven Effekte zu erzielen, bedarf es neben der Übung einer gewissen Geisteshaltung, die im Qi Gung unter dem Begriff der sogenannten drei Notwendigkeiten (Sam Seoi Kau) zusammengefasst sind. Sie muss der Praktizierende entwickeln:

• konzentriertes Üben
• Den Geist und den Körper öffnen
• Erden

Konzentriertes Üben

Der Praktizierende muss die Übungen achtsam ausführen. Schweifen die Gedanken permanent ab, oder gibt man die Positionen immer wieder auf, weil sie als zu anstrengend empfunden werden, stört das den Trainingseffekt, und es stellen sich nur schwer Erfolge ein.

Den Geist und den Körper öffnen

Den Geist öffnen heißt, sich unvoreingenommen auf die Übungen einlassen. Andernfalls schränkt eine ablehnende Haltung die positiven Effekte der Übungen ein.

Körperliches Öffnen bezieht sich auf die Gelenke und Energietore. Bei vielen Menschen sitzen die Gelenkköpfe falsch in den Gelenkpfannen. Dies führt zu Fehlhaltungen und Verspannungen, woraus Blockaden auf den Meridianen resultieren. Daher arbeitet man zu Beginn daran, die Körperstruktur zu regulieren, um den Körper optimal auszurichten. Erst dann folgen Übungen, um die Energietore zu öffnen.

Erden

Viele Senioren haben mit dem Erden große Probleme, was zu Stürzen führen kann. Aber auch junge Menschen haben meist einen zu hohen Schwerpunkt. Ein zu hoher Schwerpunkt senkt aber nicht nur die Stabilität, sondern führt auch zu einer flachen Atmung. Daraus resultieren dann letztlich verschiedene Krankheiten.

Erden bedeutet, den Schwerpunkt abzusenken. Zu Beginn geschieht dies über den Stand und die Körperhaltung. Im Laufe der Zeit beginnt man auch, sich gedanklich zu erden. Die Gedanken kommen zur Ruhe und das Erden wird eine reine Einstellungssache.

Übung 8 – Drei Teller fallen zu Boden

Der Schwerpunkt dieser Übung liegt auf der körperlichen Entwicklung. Es werden hauptsächlich die Beine aber auch die Gesäß- und Rumpfmuskulatur trainiert. Folgende Muskeln sind unter anderem an dieser Übung beteiligt:

• Musculus quadriceps femoris (vierköpfiger Oberschenkelstrecker)
• Musculus gluteus maximus (großer Gesäßmuskel)
• Ischiocruale Muskulatur (rückseitige Oberschenkelmuskulatur)
• Musculus erector spinae (Rückenstrecker)
• Musculus transversus abdominis (querverlaufender Bauchmuskel)

Der Hauptteil der Bewegung wird von der Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur ausgeführt. Der Rückenstrecker und die beteiligte Bauchmuskulatur stabilisieren die Bewegung und werden so mittrainiert. Bei dieser Übung sollte man von Beginn an auf die Atmung achten. Beim Beugen wird ein- und beim Strecken wieder ausgeatmet. Dies ist wichtig, um eine Pressatmung zu vermeiden.

Durch diese Übung wird auch energetisch etwas bewirkt. Beispielsweise wird die Zusammenarbeit von Herz und Nieren unterstützt und das Sammel-Qi im mittleren Dan Tian gestärkt.

Übung 9 – Der schwarze Drache zeigt seine Krallen

Der Drache ist in Asien das wohl verbreitetste Fabelwesen. Im Gegensatz zum westlichen Kulturkreis, in dem Drachen als Dämonen oder Sinnbild des Bösen gesehen werden, symbolisieren sie im asiatischen Kulturkreis Glück und Frieden. Sie gelten als Beschützer der Menschen.
Häufig sieht man den Drachen in Kombination mit einem Phönix. Sie sind oft auf den traditionellen Glücksbildern als Paar zu sehen und symbolisieren Wohlstand und Langlebigkeit. In China gibt es ein Sprichwort, welches besagt, dass Drache und Phönix besonderes Glück bringen. Seit der Han-Dynastie (206 v. u. Zeit – 220) steht der Drache für den Kaiser und der Phönix für die Kaiserin.

Der Drache wird auch gerne mit anderen Tieren kombiniert. Wird er beispielsweise zusammen mit einem Tiger abgebildet, steht dies für Himmel und Erde, während zwei Drachen für die Ewigkeit stehen.
Im chinesischen Tierkreiszeichen ist der Drache eines der vorkommenden Tiere. Das letzte Jahr des Drachen war 2012, das nächste wird 2024 sein.

So wirkt die Übung

Die Übung dehnt und entspannt die Rumpfmuskulatur, welche aus Brust-, Rücken- und Bauchmuskulatur besteht. Sie sorgt unter anderem für eine bessere Belüftung der Lunge und verbessert die Beweglichkeit der Hüfte. Darüber hinaus reinigt die Übung den Leber-, Magen-, Gallenblasen- und Blasen-Meridian.

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