Kampfstellung in der Selbstverteidigung

Immer wieder lese ich, dass es verschiedene Stellungen gibt, die man einnehmen soll, wenn man angegriffen wird. Da ist unter anderem von Vorkampfstellungen und Kampfstellungen die Rede. Dabei ist die beste Kampfstellung ganz simpel.

Fakt ist, Sie haben bei einem akuten Angriff keine Zeit dafür, einen spezifischen Stand einzunehmen. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit denken Sie in diesem Moment noch nicht einmal daran, denn Ihre Aufmerksamkeit liegt ganz woanders, nämlich auf dem Angriff.

Ein wichtiger Faktor im Selbstschutz ist daher die Achtsamkeit oder Aufmerksamkeit. Werden Sie akut bedroht und haben noch die Zeit, sich darauf vorzubereiten, gibt es jedoch tatsächlich ein paar Punkte, auf die Sie achten sollten. Dies betrifft jedoch die Vorkampfphase.

Natürlich stehen

Sowohl der Stand als auch die Bewegungen müssen natürlich sein, um unter Stress zu funktionieren. Der Stand ist das Fundament, das ist klar. Wenn innerhalb dieses Fundaments beispielsweise die Füße exakt in einer Linie hintereinander stehen sollen oder das Gewicht zu 100 Prozent auf dem hinteren Bein liegen soll, dann weicht das von jeglichem natürlichen Stand ab, den man im Alltag einnimmt. Die Folge: Es muss so viel Aufmerksamkeit auf diesen unnatürlichen Stand gelegt werden, dass für die eigentliche Verteidigung keine mehr übrigbleibt.

Die Füße sollten nicht in einer Linie stehen.

Doch wie soll man nun stehen? Im Grunde recht einfach: Nähert sich Ihnen eine Person in aggressiver Weise oder in einer Situation, in der die Absicht noch unklar ist, ist es sinnvoll, ein Bein eine Schrittlänge nach vorne zu stellen und wenn möglich die Arme nach oben zu bringen. Wir empfehlen die starke Seite, also bei Rechtshändern das rechte Bein. Die Beine sollten dabei ungefähr Schulterbreit auseinander stehen und das Gewicht auf beiden Beinen gleichmäßig verteilt sein. Im Laufe der Evolution haben sich zwei Beine nicht umsonst als Vorteil erwiesen.

Deutlich stabiler: zweispuriges Stehen mit nach innen gedrehtem vorderen Fuß zum Schutz des Unterleibs.

Die Arme heben

Haben Sie noch die Zeit, Ihre Arme hoch zu nehmen, gibt es einige Punkte, die Sie beachten sollten. Die Arme sollten Sie hintereinander und vertikal leicht versetzt vor Ihre Brust halten. Dabei ist der stärkere Arm vor dem schwächeren. Wichtig ist, dass die Hände offen sind und die Handflächen nach vorne zeigen. Diese Haltung hat gleich mehrere Vorteile:
Erstens schützen die Arme bei einem plötzlichen Angriff. Die vor den Körper gehaltenen Arme zeigen Ihre Grenze auf und stellen einen Schutzabstand her. Zweitens signalisiert dies eine augenscheinlich defensive Haltung. Eventuellen Zeugen zeigt dies, dass Sie der Verteidiger sind. Dies ist deshalb wichtig, weil es durchaus vorkommt, dass nach einer Selbstverteidigungsaktion der ursprüngliche Angreifer wegen Körperverletzung sein Opfer anzeigt. Da vor Gericht der Anzeigensteller erstmal als Opfer gilt, ist das tatsächliche Opfer dann plötzlich in der Pflicht, seine Notwehr zu beweisen.„Dies bedeutet, dass der Angeklagte, der ein Notwehrrecht für sich beansprucht, dieses dem Gericht auch vortragen muss, sofern es nicht beispielsweise durch Zeugenbeweis ohnehin belegt ist“, sagt Strafverteidiger Dr. Jesko Baumhöfener.

Ein dritter und letzter Vorteil ergibt sich daraus, dass diese Haltung für den potenziellen Angreifer eine ablehnende, jedoch nicht aggressive oder provozierende Geste darstellt. Ballen Sie daher keinesfalls die Fäuste, und nehmen Sie keine Boxerstellung ein.

So nicht!

Es gibt Lehrer, die die sogenannten Talking Hands empfehlen. Ich bin skeptisch, dass man unter Stress tatsächlich in der Lage dazu ist.

Die Füße zeigen nach innen

Letztlich verdienen auch die Füße Beachtung. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Füße nach innen zeigen. Zum einen kann das vordere Bein dadurch den Unterleib besser schützen, zum anderen sind Sie in dieser Position flexibel und verfügen trotzdem über einen sicheren Stand.

Fazit

Werden Sie angegriffen, ist der beste Stand, den Sie einnehmen können der, in dem Sie gerade stehen, denn es wird ihr einziger sein zu diesem Zeitpunkt. Die beste Methode gegen einen überraschenden Angriff ist daher Achtsamkeit. Öffnen Sie Ihren Blick für Ihre Umwelt und nehmen Sie ihn von allem weg, was ablenkt, zum Beispiel vom Smartphone. Überprüfen Sie im Alltag immer mal wieder Ihren Stand und achten Sie darauf, wann und wie Sie am stabilsten stehen.

 

 

 

 

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