Die vier Regulationen des Qi Gung – Teil 1

Die positiven Wirkungen des Qi Gung auf die Gesundheit sind vielfältig und bauen in den meisten Schulen auf den sogenannten vier Regulierungen auf. Die Idee dahinter enthält zwei Teile: Zuerst werden jeweils Körper, Atmung, Geist und Qi reguliert. Und dann werden sie verbunden und miteinander in Einklang gebracht. Dabei ist von Anfang an klar, dass keiner der Aspekte für sich alleine steht, sondern sie sich gegenseitig beeinflussen. Wird also ein Aspekt reguliert, beeinflusst dies sofort die anderen.

Diu San – die Regulierung des Körpers

Die menschlichen Bewegungen und Haltungen sind an ein bestimmtes strukturelles Muster gebunden, welches den Rahmen dafür vorgibt. Dieses Muster nennen wir im Shaolin Qi Gung die Körperstruktur. Sie besteht aus der individuellen Haltung des Körpers und wie hier noch zu lesen sein wird auch des Geistes. Mit der Regulierung des Körpers ist also gemeint, die Körperstruktur zu optimieren. Diese darf allerdings nicht mit der Körperhaltung verwechselt werden, die im Gegensatz zur Körperstruktur im permanenten Wandel ist.

Die Körperstruktur hängt, abgesehen von angeborenen Haltungsschäden, hauptsächlich von der Muskulatur und den Gelenkstellungen ab. Letztere sind auch von einer ausgewogenen Muskelbalance abhängig. Die Körperstruktur ist keine rein statische Angelegenheit. Sie muss sowohl im statischen als auch im dynamischen Zustand aufrechterhalten werden.

Die optimale Körperstruktur bedeutet, dass der Körper so ausgerichtet ist, dass die Kräfte, die durch die Schwerkraft auf uns einwirken, ausgeglichen werden. Dies gewährleistet, dass wir nur wenig Kraft benötigen, um uns aufrecht zu halten.
Wie erreichen wir das? Indem wir darauf achten, dass die einzelnen Körperteile vertikal auf einer Achse übereinander liegen. Dadurch wird die Wirbelsäule ideal ausgerichtet, und die Schwerkraft kann ungehindert den Körper durchlaufen. Sind die einzelnen Teile nicht entsprechend ausgerichtet, müssen weitere Muskeln eingreifen, um den Körper zu stabilisieren. Dies ist mit einem erhöhten Energieaufwand verbunden und verschiebt die Muskelbalance. Langfristig führt das zu Fehlhaltungen, Muskelverkürzungen und Verspannungen.

Einfluss der Körperstruktur auf die Atmung

Eine gestörte Körperstruktur führt zu Atembeschwerden, da nicht in den Bauch geatmet werden kann. Das liegt daran, dass die auftretenden Verspannungen einen vollständigen Luftaustausch der Lunge behindert. Das Atemvolumen wird so drastisch eingeschränkt, und bei der betroffenen Person kommt es schon bei leichten Tätigkeiten schnell zur Atemnot.

Einfluss der Körperstruktur auf den Geist

Körper und Geist sind untrennbar miteinander verbunden und wirken wechselseitig aufeinander. Was in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und eigentlich allen alternativen Heilmethoden schon lange bekannt ist, wird endlich seit einiger Zeit von der Wissenschaft untersucht und bestätigt. Der Fachbegriff dafür ist Embodiment. Es bezeichnet die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche. Herausgefunden wurde, dass psychische Zustände die Mimik, Gestik und Körperhaltung beeinflussen, aber auch, dass Körperzustände und -haltungen massiv auf unsere psychische Verfassung wirken.

Ein kleiner Test verdeutlicht dies: Stelle Dich bitte hin und lasse den Kopf und die Schultern nach vorne geneigt hängen. Und jetzt sage in dieser Haltung voller Überzeugung die Worte: „Mir geht es gut!“ Es wird nicht glaubhaft klingen. Diese kleine Übung zeigt, wie stark der Einfluss der Körperstruktur auf unseren Geist wirkt. Wer mehr dazu lesen möchte, hier zwei Artikel zu diesem Thema:

https://www.neuronation.de/science/koerpersprache-wie-unser-koerper-unser-denken-beeinflusst

http://www.alltagsforschung.de/schief-gewickelt-die-korperhaltung-beeinflusst-unser-denken/

Einfluss der Körperstruktur auf den Qi Fluss

Nach der Lehre der TCM durchlaufen den menschlichen Körper mehrere Energieleitbahnen, die sogenannten Meridiane. Auf diesen Meridianen fließt das Qi durch unseren Körper. Bei einer guten Körperstruktur kann das Qi ungehindert zirkulieren. Ist die Körperstruktur jedoch gestört, fließt auch das Qi nicht frei. Die Folge: es führt zu Krankheiten.

Fazit

Die Körperstruktur wirkt auch auf die anderen zu regulierenden Bereiche und stellt die Basis für die weiteren Regulierungen dar.

Im zweiten Teil sehen wir uns die Regulierung der Atmung etwas genauer an.

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