Wie traditionelle Waffen das waffenlose Kung Fu beeinflussen

Die traditionellen chinesischen Waffen wirken sich auch auf die Entwicklung des waffenlosen Kung Fu aus. Neben den spezifischen Eigenschaften prägen sie das Verständnis für die waffenlosen Prinzipien.

In einigen Schulen vertritt man die Meinung, dass es für Waffen ein spezielles Programm für Meister geben müsse. Und zuvor solle man erst Jahrzehnte trainieren, um danach sie zu lernen und zu verstehen. Stellt Euch bitte folgende Frage: In einer Zeit, in der die Wahrscheinlichkeit gegen 100 Prozent ging, dass der Gegner eine Waffe trug und die Kämpfe fast ausschließlich auf Leben und Tod geführt wurden, wie sinnvoll wäre es da gewesen, die Waffen erst ab einem Meistergrad zu unterrichten?

Es gibt zwei Arten, Kung Fu zu unterrichten. Erstens, man geht den traditionellen Weg und unterrichtet, um den Stil am Leben zu halten, zu verbreiten und den Schülern eine fundierte Ausbildung zu gewähren. Zweitens, man streckt die Ausbildung unnatürlich in die Länge, um die Schüler möglichst lange hinzuhalten und einen finanziellen Vorteil herauszuholen. Ich habe mich für den ersten Weg entschieden. Und seien wir ehrlich, auch der traditionelle Weg braucht seine Zeit. Niemand lernt ein Kung Fu-System schnell mal in ein oder zwei Jahren. Es ist also völlig unnötig, die Ausbildung künstlich in die Länge zu ziehen.

So werden schon im Schülerprogramm des Fu Lung Pai die beiden Hauptwaffen Langstock und Schmetterlingsmesser unterrichtet. Das Training hilft dem Schüler, die Körperarbeit und Kraftentwicklung verstehen zu lernen.

Langstock

Die Shaolin-Mönche waren berühmt für ihre Fähigkeiten mit dem Langstock. Die meisten Experten sind sich dahingehend einig, dass der Langstock Pate stand für die waffenlosen Konzepte des Shaolin Kung Fu.

Langstock und Körpertraining

Der Langstock ist geeignet für ein hervorragendes Ganzkörpertraining. Dadurch lernt der Schüler seinen Körper als Einheit zu bewegen. Die Bewegungen werden aus dem Körperzentrum heraus geführt und der Hüfte kommt hierbei eine zentrale Bedeutung zu. Ergänzend kommt ein spezifisches Krafttraining hinzu, welches die Bewegungen im Fu Lung Pai unterstützt. Dabei steht auch hier das harmonische Zusammenspiel der einzelnen Körperteile zu einer Einheit im Vordergrund, was die sogenannte Ganzkörperkraft entwickelt.

Langstock und Brückenkonzepte

Der Langstock wird nach dem Lehrsatz „Kwan Mo Leung Heung“ eingesetzt, was so viel bedeutet wie „Der Langstock macht nur einen Ton“. Dies beschreibt die Kontaktaufnahme. Es gilt, dass nachdem die Brücke gebaut wurde, der eigene Stock so positioniert wird, dass der Angreifer seine Waffe nicht mehr nutzen kann. Dieses Konzept nutzt man auch waffenlos. Die Brücke dient zur Kontaktaufnahme, muss danach aber zu Gunsten der offensiven Bewegung aufgegeben werden. Das funktioniert natürlich nur gefahrfrei, wenn der Anwender weiß, wie er sich richtig bewegen und positionieren kann.

Langstock und Balance

Der Schüler lernt, trotz offensiver Bewegungen und Vorwärtsenergie seine Balance zu halten. Er muss den Langstock so führen, dass er auch bei kraftvollen Stößen mit dieser schweren Waffe in seiner Mitte bleibt. Dadurch wird ein tieferes Körperverständnis ermöglicht. Im Fu Lung Pai arbeiten wir mit einer energischen Vorwärtsenergie. Diese muss jedoch aus dem Körperzentrum kommen und nicht aus dem Oberkörper oder den Beinen. Andernfalls würde man seine Struktur aufgeben und anfällig sein für Konter.

Schmetterlingsmesser

Genau wie der Langstock zählen die Schmetterlingsmesser zu den typischen Waffen der südlichen Stile. Es existieren verschiedene Formen und Bezeichnungen der Messer. Für das Fu Lung Pai sind die Messer mit einer bauchigen Klinge maßgeblich.

Schmetterlingsmesser und Körpertraining

Das Gewicht der Messer trainiert die Arme, den Schulterbereich und den Rücken. Im Besonderen werden die Handgelenke gekräftigt und dadurch stabilisiert. Beim Laufen der Messerform erfahren die Schüler die Vorteile der spezifischen Fu Lung Pai Körperarbeit, die das Führen der Messer im besonderen Maße effizienter macht.

Schmetterlingsmesser und Koordination

Der Umgang mit Doppelwaffen erfordert eine sehr gute Koordination. Die Bewegungen der beiden Waffen müssen genauestens aufeinander abgestimmt sein.
Das Training entwickelt diese Koordination, und zusätzlich schult es beide Körperseiten gleichermaßen, ungeachtet dessen, welche die Starke ist. Außerdem harmoniert es die Bewegungen der Beine und des Oberkörpers.

Schmetterlingsmesser und in der Mitte bleiben

Verwendet man die Doppelmesser, ohne in der eigenen Mitte zu sein, kann es sehr schnell passieren, dass das Gewicht der Messer den Nutzer aus seiner Mitte zieht und er das Gleichgewicht verliert. Ab diesem Zeitpunkt sind nicht mehr nur die Messer nutzlos, sondern der Kämpfer ist fast nahezu wehrlos den Angriffen des Gegners ausgeliefert. Der Schüler lernt dies zu vermeiden, durch eine spezielle Winkelarbeit in den Armen und die bereits angesprochene spezifische Körperarbeit des Fu Lung Pai. Ist diese Fähigkeit verinnerlicht, wirkt sich dies auch auf alle waffenlosen Bewegungen aus.

Fazit

Das Training mit den traditionellen Waffen hat mehr zu bieten als nur einen nostalgischen Hintergrund. Die Waffen wirken positiv auf die Entwicklung des Schülers im waffenlosen Kung Fu. Von der Übertragbarkeit auf moderne Selbstverteidigungswaffen und Alltagsgegenständen mal ganz abgesehen.

2 Gedanken zu „Wie traditionelle Waffen das waffenlose Kung Fu beeinflussen“

  1. Hätte nie gedacht dass die Waffen so einen großen Einfluss auf das waffenlose Kung Fu haben.
    Man merkt deutlich dass sie die Struktur nochmals stärken, bzw. die Effektivität der Techniken auch unmittelbar mit der Struktur zusammen hängt.

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