Buddhas Weisheit 16

Wenn der Schein trügt

Immer wieder werde ich in Gesprächen über den Buddhismus auf den Dalai-Lama angesprochen und nach meiner Meinung über ihn gefragt. Da ich den Mann nicht persönlich kenne, steht es mir nicht zu, eine Meinung über ihn zu haben. Wozu ich eine Meinung habe, ist die Bedeutung des von ihm verbreiteten Buddhismus.

Es gibt zwei große Irrtümer in Bezug auf den Buddhismus. Der erste: den Buddhismus als Religion zu verstehen, darüber habe ich schon gebloggt. Der zweite Irrtum: den Dalai-Lama als den offiziellen Vertreter des Buddhismus zu sehen. Dieser basiert auf undifferenzierten Fakten.

Der Dalai-Lama ist lediglich der Vertreter und Oberhaupt der tibetischen Form des Buddhismus, dem sogenannten Vajrayana Buddhismus, auch Diamantfahrzeug genannt. Mit der ursprünglichen Lehre von Siddharta Gautama deckt sich diese Form des Buddhismus nur in Teilen. Daher kann der Dalai Lama auch nicht der offizielle Vertreter des Buddhismus sein, sondern lediglich der Vertreter einer religiös geprägten buddhistischen Strömung. Dieser mag man angehören oder auch nicht.

Im ursprünglichen Buddhismus gibt es keine Autorität außerhalb von einem selbst. Gautama hat seine Lehre gerade gegen jegliche religiöse Autoritäten entwickelt, da er die Menschen in ein selbstbestimmtes Leben führen wollte – frei von jeglicher religiösen Gängelung. Jeder Mensch kann selbst und eigenständig Erkenntnis erlangen. Sehr schön zeigen dies die beispielhaften Zitate von Siddhartha Gautama und des chinesischen Philosophen und Dichters Zhuanzi (365 – 290 v. Chr.):

„Du bist Dein eigener Herr und Meister. Deine eigene Zukunft hängt von Dir selbst ab.“ (Gautama)

„Wer sich an die Weisheit des Herzens hält und sie als Autorität anerkennt, was braucht der noch andere Autoritäten.“ (Zhuanzi)

Der ursprüngliche Buddhismus kennt keinen Gottkönig und keine Höllen. All das gibt es jedoch im Vajrayana Buddhismus und leider noch viel mehr.

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Marketing und Eigenwerbung mögen der Grund sein, der es dem Dalai-Lama ermöglicht, seine Form der Lehre weit zu verbreiten und Anhänger zu finden, die ihn als eine Art Heiligkeit ansehen und definieren. Dennoch ist der Vajrayana Buddhismus nicht einfach gleichzusetzen mit der Lehre nach Siddharta Gautama. Er bleibt eine religiös beeinflusste Strömung und damit eine Karikatur der ursprünglichen Lehre. Was im Buddhismus als eines der Geistesgifte gilt, tritt hier offen zu Tage: Viele Menschen lassen sich vom trügerischen Schein blenden und meiden den beschwerlichen Weg, aus eigener Kraft Erkenntnis zu gewinnen.

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