Buddhas Weisheit 17

Eigenverantwortung statt Religion

Die Vertreter der drei großen monotheistischen Religionen, Christen- und Judentum und Islam sprechen unablässig von einem liebenden Gott. Dabei scheinen sie etwas zu übersehen: Liebe und Eifersucht stellen einen Widerspruch dar.

Folgender beispielhafte Text aus der Bibel – Einheitsübersetzung Exodus 20, 2-17 – zitiert das erste der zehn Gebote und zeigt diesen Widerspruch deutlich:

„Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. […] Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; […]. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; […].“

Ein „eifersüchtiger Gott“, „die mir Feind sind“, „verfolge ich die Schuld“ – harsche und wenig versöhnliche Worte, die offenbaren, dass es mit dem liebenden Gott doch nicht so weit her zu sein scheint. Zumindest nicht, wenn man diese Passage wörtlich nimmt. Doch selbst wenn man den historischen oder kulturellen Kontext berücksichtigt, erschließt sich nicht eine für alle Menschen existierende Barmherzigkeit, was die Religionsvertreter so oft suggerieren. Ein Problem ist, dass Gläubige diesen Widerspruch nicht sehen wollen. Und selbst wenn sie ihn erkennen würden, ihr dogmatischer Glaube verböte es ihnen, auf diesen Widerspruch an der Lehre einzugehen. In einigen muslimischen Ländern steht darauf sogar die Todesstrafe.

Selbständig denken

Da der Buddhismus keine Religion ist und sich Siddhartha Gautama als durchaus fehlbarer Lehrer und Wegweiser verstand und niemals als Führer, ist das hier anders. So sagte er:

„Wenn deine Einsicht meiner Lehre widerspricht, so sollst du deiner Einsicht folgen.“

Dieser Satz ist für mich die Offenbarung des Buddhismus. Es zeigt wieder einmal in einzigartiger Weise, wie der Fokus auf Eigenverantwortung, selbstständiges Denken und das Hinterfragen der Lehre gelegt wird.

Schreibe einen Kommentar